München. Die geplante Ansiedlung zweier Pandas im Münchner Tierpark Hellabrunn sorgt für politische Kontroversen. Während die Staatsregierung das Projekt als Prestigegewinn feiert, kritisiert die Landtagsabgeordnete Mia Goller (Grüne) die hohen Kosten zulasten des heimischen Tierschutzes. Angesichts finanzieller Nöte bayerischer Tierheime fordert sie eine Neuausrichtung der Prioritäten.
5.000 Quadratmeter für zwei Pandas: Millionen-Anlage geplant
Für die Unterbringung der Tiere ist eine gewaltige Infrastruktur geplant. Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks soll auf rund 5.000 Quadratmetern eine Anlage mit Bambusflächen, Wasserzonen und speziellen Rückzugsbereichen entstehen. Der Freistaat Bayern lässt sich dieses Bauprojekt rund 18 Millionen Euro kosten. Tierparkdirektor Rasem Baban verspricht ein Zuhause nach höchsten internationalen Standards, wobei das Personal eng mit chinesischen Experten zusammenarbeiten wird.
Hohe Kosten für die „Panda-Diplomatie“
Über das Prestigeprojekt hinaus kommen auf die öffentliche Hand weitere jährliche finanzielle Verpflichtungen zu. Zwar halten sich die Beteiligten bezüglich der exakten Leihgebühren bedeckt, doch Branchenkenner taxieren die jährliche Artenschutzabgabe an Peking erfahrungsgemäß auf eine Summe von ungefähr 1 Million Euro. Nach aktuellem Stand ist geplant, dass sich der Freistaat und die Landeshauptstadt München diese laufenden Unterhaltskosten für die exklusiven Gäste aus Fernost teilen.
Mia Goller bezeichnet dies als „teures Leasingmodell“, bei dem die Bürger die Rechnung für die internationale Sympathiewerbung Chinas zahlen müssten. Dass bei diesem Projekt jedes Kostenargument zu verschwinden scheint, stehe in einem frappierenden Widerspruch zur Sparpolitik in anderen sozialen Bereichen.
Kontrast zum regionalen Tierschutz vor Ort
Besonders scharf kritisiert die Abgeordnete das finanzielle Ungleichgewicht im Vergleich zu lokalen Einrichtungen. Viele Tierheime in Bayern stünden derzeit am finanziellen Limit und könnten nur durch ehrenamtliches Engagement überleben. Dass für „Prestigeprojekte“ Millionen bereitgestellt werden, während lokale Tierschützer um jeden Euro kämpfen müssen, bezeichnet Goller als „Ohrfeige“ für alle ehrenamtlichen Helfer.
Heimische Arten im Schatten der Exoten
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft den Schutz heimischer Wildtiere. Die Grünen-Fraktion hat einen Gesetzentwurf eingebracht, der Igel – das Wildtier des Jahres – besser vor Gefahren durch nächtliche Mähroboter schützen soll. Goller betont, dass Artenschutz vor der eigenen Haustür beginnen müsse. Man dürfe den bayerischen Igel nicht gegen den Panda ausspielen, doch brauche die heimische Fauna dringend einen Teil jener Aufmerksamkeit, die derzeit den Leih-Pandas gewidmet wird.

