Bayerischer Landtag / Landkreis Rottal-Inn. Zwischen Mitgefühl, Transparenz und parlamentarischer Verantwortung: In diesem Spannungsfeld steht derzeit die Vertretung der Bürgerinnen und Bürger durch den Landtagsabgeordneten Werner Schießl (Freie Wähler) im Stimmkreis Rottal-Inn. Seit den Pfingstferien 2025 ist der Abgeordnete aufgrund einer schweren Erkrankung nicht mehr in der Öffentlichkeit in Erscheinung getreten. Während der Eggenfeldener seine kommunalpolitischen Ämter im Stadtrat sowie im Kreistag zeitnah niedergelegt hat, behielt er sein Landtagsmandat bei.
Wie die Passauer Neue Presse (PNP) Ende Juni 2025 berichtete, hieß es damals in einer offiziellen Mitteilung des Abgeordnetenbüros, dass er sich vorerst auf seine Gesundheit konzentrieren werde und zugesagte Termine bis in den Herbst 2025 hinein sukzessive abgesagt werden. Knapp 14 Monate später stellt sich in der Region jedoch verstärkt die Frage nach dem aktuellen Status seiner parlamentarischen Arbeit und der künftigen Vertretung der regionalen Interessen.
Eine Anfrage von Ostbayerische24 bei den Beteiligten liefert nun Einblicke in die aktuelle Lage.
Rückzug aus der Öffentlichkeit und Reaktionen aus der Politik
Nach dem gesundheitlichen Schicksalsschlag im Spätfrühjahr 2025 zog sich Werner Schießl im Einvernehmen mit der Landtagsfraktion und den Gremien der Freien Wähler aus der Öffentlichkeit zurück, um seine Genesung zu priorisieren.
Auf Presseanfrage zum aktuellen Stand sowie zur weiteren Ausübung des Mandats teilte der Pressesprecher der FW-Landtagsfraktion, Dirk Oberjasper, lediglich mit: „Herr Schießl ist bei uns aktuell krankgemeldet. Darüber hinaus kann ich Ihnen derzeit leider keine Angaben machen.“
Auch beim FW-Kreisverband Rottal-Inn fragte Ostbayerische24 konkret nach: Gibt es noch Kontakt zum Abgeordneten? Wie stellt sich die aktuelle Lage dar, und ist bekannt, ob und wann Werner Schießl sein Mandat wieder aktiv ausüben kann? Die erste Vorsitzende Claudia Geiselhöriger ging auf diese Fragen inhaltlich nicht ein, sondern verwies in ihrer Antwort direkt an das Abgeordnetenbüro: „Den aktuellen Gesundheitszustand und auch Fragen zur Ausübung seines Mandates können Sie über sein Bürgerbüro erfragen. Dieses wird Ihnen gerne dazu berichten.“
Stellungnahme aus dem Abgeordnetenbüro und Planungen
Parallel zur Anfrage bei der Landtagsfraktion und dem Kreisverband FW Rottal-Inn wandte sich Ostbayerische24 auch direkt an das Abgeordnetenbüro von Werner Schießl. Daraufhin ging am Freitag, den 21. August 2026, eine schriftliche Rückmeldung per E-Mail ein. Darin wurde erklärt, dass sich MdL Schießl weiterhin auf dem Weg der Besserung befinde und beabsichtige, nach der Sommerpause wieder erste kleinere Termine im Wahlkreis wahrzunehmen. Sobald es die Gesundheit erlaube, soll auch die Arbeit im Bayerischen Landtag wieder aufgenommen werden.
Das Wahlkreisbüro in Eggenfelden wurde zwar personell verkleinert, zwei Teilzeitkräfte seien jedoch weiterhin im Dienst, um Anliegen aus der Bevölkerung zu bearbeiten und den Kontakt zur Landtagsfraktion zu halten. Die Betreuung wichtiger Termine vor Ort übernimmt derzeit vertretungsweise der FW-Landtagsabgeordnete Christian Lindinger.
Gerüchte im Landkreis Rottal-Inn
Die anhaltende Unklarheit führt im Landkreis Rottal-Inn zu wachsenden Spekulationen über den tatsächlichen Gesundheitszustand des Abgeordneten und seine künftige Amtsfähigkeit. Unter Bürgerinnen und Bürgern wird zunehmend die Frage diskutiert, ob Werner Schießl den umfassenden Pflichten eines gewählten Landtagsabgeordneten noch nachkommen kann.
Vor dem Hintergrund der verfassungsrechtlich garantierten Abgeordnetenentschädigung und der vertretungsweisen Aufgabenwahrnehmung durch Kolleginnen und Kollegen wächst vor Ort der Wunsch nach einer klaren und gesicherten Informationsgrundlage, wie die parlamentarische Vertretung des Stimmkreises in Zukunft sichergestellt werden soll.
Ungeklärte Fragen zur Rückkehr und Urheberschaft
Trotz der vorliegenden Rückmeldungen bleiben wesentliche Punkte ungeklärt:
- Ob und inwieweit die schriftliche Nachricht direkt von MdL Werner Schießl stammt beziehungsweise persönlich mit ihm abgestimmt ist.
- Wann konkret und in welchem Umfang die Rückkehr in den Landtag sowie in den Wahlkreis erfolgt und ob eine vollständige Ausübung der parlamentarischen Pflichten langfristig möglich sein wird.
- Wie Landtagsfraktion und Kreisverband mit den Spekulationen umgehen und bis zu welchem Zeitpunkt die derzeitige Vertretungslösung als tragfähig angesehen wird.
Der parlamentarische Rahmen bei längerer Krankheit
Aus rechtlicher Sicht unterscheidet sich das Landtagsmandat deutlich von kommunalen Ehrenämtern. Es handelt sich um ein freies Mandat, für das bei Krankheit keine formelle Vertretung im Parlament vorgesehen ist. Ein Erlöschen des Mandats tritt nur durch den freiwilligen schriftlichen Verzicht gegenüber der Landtagspräsidentin, das Ableben oder den Verlust der Wählbarkeit ein.
Eine automatische Nachrückung erfolgt erst, wenn ein Mandat offiziell niedergelegt wird. Bis dahin obliegt es dem gewählten Landtagsabgeordneten, über die Aufrechterhaltung seines Mandats zu entscheiden.
