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Die Wirtin stellt klar: Wirtschaftliche Sorge statt politischer DruckEskalation in Kößlarn: Zwischen AfD-Frühschoppen, Facebook-Eskalation und der Wahrheit hinter der Absage

24.01.2026, 15:07 Uhr
<p>Gudrun</p>
Von Gudrun
Kösslarn. Was als politischer Weißwurst-Frühschoppen der AfD Passau geplant war, endete in einer Schlammschlacht in den sozialen Medien. Im Zentrum der Debatte: Das Gasthaus Bimesmeier, angebliche Druckausübung durch die Politik und eine Kommentarspalte in der Facebook-Gruppe „Spotted Kößlarn“, die völlig außer Kontrolle geriet. Eine Spurensuche nach Fakten und Hintergründen. Die Ausgangslage: Ein Post der AfD […]

Kösslarn. Was als politischer Weißwurst-Frühschoppen der AfD Passau geplant war, endete in einer Schlammschlacht in den sozialen Medien. Im Zentrum der Debatte: Das Gasthaus Bimesmeier, angebliche Druckausübung durch die Politik und eine Kommentarspalte in der Facebook-Gruppe „Spotted Kößlarn“, die völlig außer Kontrolle geriet. Eine Spurensuche nach Fakten und Hintergründen.

Die Ausgangslage: Ein Post der AfD Passau mit Behauptungen

Am 22. Januar 2026 um 11:30 Uhr veröffentlichte die AfD Passau einen Post, der die politische Stimmung in Kößlarn anheizte. Darin wurde die Frage aufgeworfen, ob die CSU das geplante Treffen beim Gasthaus Bimesmeier am Sonntag, 25. Januar 2026 verhindert habe. Die Partei behauptete, die Wirtin habe kurzfristig abgesagt, nachdem „politischer Druck“ auf sie ausgeübt worden sei.

In dem Post hieß es weiter: „Eines ist klar: Der Wirt trifft keinerlei Schuld. Wer unter politischen Druck gesetzt wird, hat oft keine echte Wahl.“ Zudem wurde die CSU direkt ins Visier genommen und der Gemeinde ein mangelhaftes Demokratieverständnis vorgeworfen.

260124 AfD Passau Post von AFD

Screenshot / Facebook-Gruppe Spotted Kösslarn

Die Reaktion im Netz: Eine Kommentarspalte eskaliert

In der Facebook-Gruppe „Spotted Kösslarn“ löste dieser Post eine Welle der Empörung aus. Ohne Belege wurde die Behauptung des „politischen Drucks“ übernommen. Die Kommentare reichten von Beleidigungen bis hin zu drastischen historischen Vergleichen mit der NS-Zeit.

Themen wie die angebliche Einschränkung der Meinungsfreiheit, Mercosur-Abstimmung, Windräder und die Antifa wurden in die Debatte geworfen, während die ursprüngliche Sachlage völlig in den Hintergrund rückte. Auffällig war dabei die Abkehr von der klassischen Argumentationskette (Behauptung, Begründung, Beispiel) hin zu purer Stimmungsmache, Unterstellungen und gegenseitigen Beleidigungen.

Das sagt die AfD Passau

Auf Nachfrage der Redaktion von Ostbayerische24 bei Ralf Stadler, AfD-Landtagsabgeordneter und Kontaktperson des Facebook-Profils der AfD Passau, verteidigte dieser die Wortwahl im Post. Laut Stadler stütze sich die Einschätzung auf die Rückmeldung der Wirtin: „Das Wort ‚Druck‘ stammt hierbei von der Wirtin selbst.“

Bezüglich der Vorwürfe gegen den die CSU und Gemeinderat räumte Stadler ein, dass es sich um eine „Fragestellung“ und keine „Tatsachenbehauptung“ handle, man jedoch aufgrund einem ähnlichen Vorfall in anderen Gemeinden (z. B. Tittling) skeptisch sei. „Vor diesem Hintergrund halten wir es für legitim, diese Frage auch im aktuellen Fall öffentlich zu stellen, ohne einzelne Personen oder Gremien zu beschuldigen.“ ergänzte Stadler in der schriftlichen Antwort.

Stadler betonte zudem, dass es sich um eine öffentliche Veranstaltung im Rahmen des Kommunalwahlkampfs gehandelt habe, nicht um ein internes Treffen.

Die Wirtin stellt klar: Wirtschaftliche Sorge statt politischer Druck

Ein direktes Gespräch mit der Inhaberin des Gasthauses Bimesmeier, Frau Scheichl, zeichnet jedoch ein völlig anderes Bild. Scheichl betont, dass ihr Gasthaus grundsätzlich ein offenes Haus für alle Parteien und Vereine ist, sofern ein respektvoller Umgang gewahrt bleibt. Gerade im umsatzschwachen Januar ist der Betrieb auf jede Buchung angewiesen, weshalb man die Anmeldung der AfD für das Weißwurstessen im Nebenraum mit ca. 30 bis 40 Personen zunächst wie im Vorjahr annahm.

Erst als nach der Veröffentlichung des Termins in den sozialen Medien eine Gegendemonstration angekündigt wurde, änderte sich die Lage: Aus Sorge um das wirtschaftlich überlebenswichtige Sonntagsgeschäft und die Sicherheit der voll belegten Gaststube entschied sich die Wirtin zur Absage.

Die Gründe für die Absage waren laut Scheichl rein pragmatischer Natur:

  • Wirtschaftliche Notwendigkeit: Da der Januar traditionell zu den umsatzschwächeren Monaten in der Gastronomie zählt, ist der Betrieb auf jede einzelne Buchung und Veranstaltung angewiesen, um die laufenden Fixkosten decken zu können.
  • Angst vor Eskalation: Nachdem die Veranstaltung auf Facebook gepostet wurde, erhielt die Wirtin Informationen über eine geplante Gegendemonstration.
  • Sicherheit für Gäste und das Sonntagsgeschäft: Der Sonntagmittag ist die wichtigste Einnahmequelle. Da das Haus bereits durch andere Gruppen voll reserviert war, sorgte sich die Wirtin, dass Gäste durch die Demonstration abgeschreckt würden oder den Zugang zum Gasthaus nicht ungehindert erreichen könnten.

„Es gab keinerlei politischen Druck oder Einflussnahme durch Dritte auf meine Entscheidung“, stellt Frau Scheichl unmissverständlich klar und tritt damit den kursierenden Gerüchten entgegen. Die Absage erfolgte aus Sorge um den Betriebsfrieden, den Schutz der unbeteiligten Gäste und zur Sicherung des notwendigen Umsatzes.


Analyse: Der Schaden für die Demokratie und Pro/Kontra für eine Gegendemonstration?

1. Wem nützt dieser Umgang?

Dieser Modus der Kommunikation nützt primär jenen Kräften, die von der Polarisierung der Gesellschaft profitieren. Durch das bewusste Streuen von Vermutungen unter dem Deckmantel einer „Frage“ wird ein Opfer-Narrativ geschaffen. Dies dient der Mobilisierung der eigenen Anhängerschaft und festigt das Bild einer angeblich „unterdrückten Meinung“.

Auch soziale Netzwerke profitieren durch ihre Algorithmen von solchen Eskalationen, da Wut und Empörung die Verweildauer und Interaktionsrate auf der Plattform erhöhen.

2. Der Schaden für die Demokratie

Der Fall Kößlarn ist ein Warnsignal für unsere Debattenkultur. Wenn einfache wirtschaftliche Entscheidungen oder private Ängste von Bürgern (wie der Wirtin) sofort politisch instrumentalisiert und mit NS-Vergleichen befeuert werden, zerstört dies das gesellschaftliche Vertrauen.

  • Verlust der Sachlichkeit: Wenn Behauptungen ohne Belege als Fakten akzeptiert werden, bricht die Basis für einen demokratischen Diskurs weg.
  • Einschüchterung des Mittelstands: Lokale Gewerbetreibende geraten zwischen die Fronten und trauen sich künftig womöglich gar nicht mehr, Räume für politische Veranstaltungen – egal welcher Couleur – zur Verfügung zu stellen.
  • Zerstörung des Dorflebens: Wo früher miteinander geredet wurde, herrscht heute oft nur noch Misstrauen und digitale Diffamierung. Wenn der „politische Gegner“ nur noch als „Feind“ oder „Parasit“ gesehen wird, ist ein konstruktives Miteinander in einer Gemeinde kaum noch möglich.

3. Pro und Kontra für eine Gegendemonstration bei AfD-Veranstaltungen

Pro: Warum eine Gegendemonstration wichtig ist

  • Sichtbares Zeichen setzen: Eine Gegendemonstration zeigt, dass die Positionen der AfD nicht unwidersprochen bleiben. Sie macht deutlich, dass es im Ort oder in der Region eine aktive Zivilgesellschaft gibt, die für Vielfalt und andere Werte einsteht.
  • Solidarität mit Betroffenen: Für Menschen, die sich durch die Politik der AfD ausgegrenzt oder bedroht fühlen, ist der Protest ein wichtiges Signal: „Ihr seid nicht allein, wir setzen uns für euch ein.“
  • Besetzung des öffentlichen Raums: Man überlässt die Deutungshoheit auf der Straße nicht einer einzelnen Partei. Der öffentliche Raum wird so als Ort des pluralistischen Diskurses markiert.
  • Mediale Aufmerksamkeit: Proteste sorgen dafür, dass in der Berichterstattung nicht nur die Inhalte der AfD vorkommen, sondern auch die Kritik daran thematisiert wird.

Kontra: Was gegen eine Gegendemonstration spricht

  • Zusätzliche Aufmerksamkeit (Bumerang-Effekt): Eine Gegendemonstration wertet die eigentliche Veranstaltung oft erst auf. Ohne Protest wäre ein „Weißwurstessen“ mit 30 Personen medial kaum relevant; durch den Protest wird es zum „Großereignis“ mit Schlagzeilen.
  • Bestätigung der Opferrolle: Die AfD nutzt Gegendemonstrationen oft strategisch, um sich als „gejagte“ oder „unterdrückte“ Kraft darzustellen. Bilder von Absperrgittern und Polizei zahlen oft auf das Narrativ der Partei ein.
  • Belastung für Unbeteiligte: Wie der Fall Kößlarn zeigt, leiden oft die Wirte oder Anwohner. Eine Demonstration kann Unbeteiligte (andere Restaurantgäste, Nachbarn) abschrecken oder beeinträchtigen, was zu Unmut gegenüber den Demonstranten führen kann.
  • Eskalationsgefahr: Große Menschenansammlungen und aufgeheizte Stimmung erhöhen das Risiko für verbale oder physische Gewalt. Das bindet enorme Polizeikräfte und kann das Sicherheitsgefühl im Ort schwächen.
  • Spaltung vor Ort: In kleinen Gemeinden kann ein lauter Protest tiefe Gräben zwischen Nachbarn reißen, die weit über den Tag der Veranstaltung hinaus bestehen bleiben.

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